EJZ Artikel
VON OLAF SCHÖLLHORN
Lüchow. Derzeit fahren 2,64 Prozent der Pkw in Lüchow-Dannenberg ausschließlich elektrisch. Auch wenn die Autofahrer im Landkreis damit im Vergleich zu den westlich gelegenen Landkreisen in Sachen Antriebswende noch hinterherhinken, steigt nun auch die örtliche Logistikbranche auf Elektrofahrzeuge um. Den ersten vollelektrischen Linienbus stellte der Lüchower Stefan Irro im Auftrag der LSE in Dienst. Mit 260 Fahrzeugen betreibt Irro als Taxi- und Busunternehmer eine der großen Flotten im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Er sagt, die Anschaffung des ersten vollelektrischen Linienbusses sei für ihn als Mittelständler der konsequente nächste Schritt im Zuge der Verkehrswende.
Während sich für seine Kunden kaum etwas ändert, stellt der Wechsel auf E-Mobilität die täglichen Arbeitsabläufe in Irros Unternehmen vor einige Herausforderungen. Im Verlauf der offiziellen Vorstellung des Iveco-Busses, der sich von außen vor allem durch seine auffällige Beklebung von dem Rest des Fuhrparks unterscheidet, erklärte Geschäftsführer Stefan Irro: „Wir sammeln ja schon seit einigen Jahren Erfahrungen.“ Die seien auch ganz gut gewesen, resümiert er: „Mit den elektrischen Taxis funktioniert der Betrieb einwandfrei“, sagt Irro, der auch privat einen Stromer fährt, zufrieden. 400.000 Kilometer hätten die elektrischen Taxis vollkommen problemlos absolviert, sagt er. Die höheren Anschaffungskosten der Fahrzeuge würden sich durch die geringen Betriebskosten auf der Strecke wieder ausgleichen.
Ähnliches erhofft sich Irro nun auch beim Linienbus, wenngleich die Zahlen dort um einiges höher ausfallen: Rund 500.000 Euro musste Irro für die Anschaffung des zwölf Meter langen Iveco mit seinen 42 Sitzplätzen investieren. Das ist fast doppelt so viel, wie ein Vergleichsfahrzeug mit Dieselantrieb kosten würde. Ohne Fördermittel des Landes in Höhe von 42 Prozent des Kaufpreises sei eine solche Anschaffung für ein Unternehmen wirtschaftlich gar nicht abzubilden, sagt Irro ganz offen.
Das sieht auch Landrätin Dagmar Schulz (parteilos) so: „Es ist gut, dass es die Förderungen gibt. Aber man hat schon gemerkt: Die Förderkulisse war zu Beginn ziemlich auf die großen Städte und weniger auf die Bedürfnisse dünn besiedelter Regionen zugeschnitten worden.“ Inzwischen kämen die Fördermittel für die Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auch im Landkreis an.
Irro sieht nicht zuletzt den nötigen Aufwand kritisch, damit eine Förderung überhaupt zu bekommen sei. „Erfolg hatten wir nicht zuletzt, weil wir uns externe Beratung ins Haus geholt haben“, sagt er. Denn es bleibe bei der Mobilitätswende ja nicht bei der Anschaffung eines Busses.
Darüber hinaus musste die Werkstatt auf die neuen technischen Anforderungen eingestellt und eine eigene Ladeinfrastruktur auf dem Betriebsgelände in Lüchow aufgebaut werden. Die müsse auf die zukünftige Bedarfsentwicklung ausgelegt sein, dürfe aber wegen des technischen Fortschrittes auch nicht überdimensioniert sein. Neun Ladesäulen stehen inzwischen am Rand des Firmengeländes, installiert von einem örtlichen Handwerksbetrieb. Vier davon sind für Busse reserviert und jede von ihnen kann bis zu 150 Kilowatt elektrische Energie zur Verfügung stellen.
Das ist auch die maximale Ladeleistung, die der Iveco aufnehmen kann. Sie reicht rechnerisch aus, um die auf dem Dach verbauten Batterien des Busses mit ihrer Speicherkapazität von immerhin 450 Kilowattstunden in etwas mehr als drei Stunden vollständig aufzuladen. „Das ist aber erst einmal vor allem theoretisch“, sagt Fuhrparkleiter Arne Bertram, bei Irro für die Planung des Linienverkehrs verantwortlich. Seit etwa einer Woche komme der Elektrobus am Wochenende auf der 7000er-Linie im Pendelbetrieb zwischen Lüchow und Uelzen zum Einsatz. Auf der werden – je nach Wochentag – bis zu vierhundert Kilometer Strecke zurückgelegt. Eigentlich genug, um mit einer Ladung absolviert zu werden, sagt Thomas Finck, Werkstattleiter bei Irro. Weil aber zwei Stunden Pause während dieser Tour anfielen, könnten diese zum Zwischenladen genutzt werden, so Irros Plan. Werktags fährt der Elektrobus auf der Linie 8000 im Bereich Hitzacker, Dannenberg und Lüchow.
Es sind diese Erfahrungen, die Stefan Irro mit dem ersten Bus sammeln will, bevor die nächsten Exemplare seiner Flotte elektrisch werden. Schon im März 2027 könnten die vier Bus-Ladesäulen dringend benötigt werden. Dennis Peizert, Geschäftsführer der landkreiseigenen LSE, rechnet bis dahin mit der Auslieferung der sieben Fahrzeuge, die ebenfalls mit Elektrizität statt mit Diesel angetrieben werden. Auch deren Akkus werden zumindest vorübergehend auf dem Betriebsgelände von Irro befüllt.
„Das könnte vielleicht noch einmal spannend werden mit dem Timing“, gibt Stefan Irro zu. Aber auch das seien wertvolle Erfahrungen, die man erst einmal sammeln könne und werde. Denn zu Ende sei die Transformation im Busbetrieb noch nicht.
Quelle: EJZ
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Arbeiten bei Irro

Arbeiten bei Irro